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Geben und Nehmen

Vereinslehrgang im September 2007 in Murrhardt

Als ich folgenden Bericht verfasst hatte, war Gerhard Kurz noch am Leben. Nun werden diese Zeilen, die ich unverändert lasse, eine lebendige Erinnerung sein.

In Stuttgart prangt an der Weinsteige seit ein paar Tagen ein Plakat einer großen Bank. An der roten Ampel stehend lese ich: "Gute Beratung ist ein Geben und Nehmen. Wir nehmen uns Zeit". So müsste es in einem lebendigen Unterricht zwischen Lehrer und Schüler zünden.

In der Linkskurve auf dem Weg zur Schule schweifen meine Gedanken ab: Ist Geben und Nehmen nicht auch beste Voraussetzung für beiderseitigen Lernerfolg im Aikidotraining? Und trifft das auch auf Lehrer und Schüler zu?

Murrhardt 2007
Murrhardt 2007
Von: Janina Eisner www.janina-eisner.de

Mit diesen Gedanken kommt die Erinnerung an ein Aikidoseminar, bei dem ich eigentlich nur ein paar Fotos machen wollte. Gerhard Kurz, der Leiter der Murrhardter Aikidogruppe hatte Michael Zimnik zu einem Dan-Vorbereitungstraining Ende September eingeladen. Voller Erwartung beobachtete ich konzentriert das Training und war über einen völlig unspektakulären Unterricht etwas überrascht und fototechnisch sogar ein wenig enttäuscht. Keine Luftschwebebilder, nur kleine Bewegungsexplosionen und schwierig festzuhaltende Nage- und Ukequalitäten. Ist es für einen Gastlehrer nicht verlockend bei solch einer Gelegenheit Talent und Können möglichst effektvoll zu präsentieren? Ich würde sogar auf Nummer sicher gehen und meinen Lieblingsuke mitnehmen, für alle Fälle sozusagen. Michael verzichtete auf Lieblingsuke und Effekte.

Durch ständigen Partnerwechsel beim Vorführen der Techniken hatte er reale und nicht immer optimale Bedingungen. Dadurch wurde die stets notwendige Anpassung an die Bewegung jedes Angreifers deutlich. Michaels Iriminage gegen Shomenuchi hatte ein so breites Spektrum an Variationen, dass ich ins Grübeln kam, ob diese Vielfalt nicht eher Verwirrung schafft. "Bei jedem Angriff wechselte das Verhalten des Uke. Ich musste die Technik jedes Mal variieren und konnte kein gleichbleibendes Bewegungsbild anbieten. Die Schüler fanden dies besonders spannend." Ja, und in der Tat war es spannend zu beobachten, wie die Aikidoka folgender Frage nachgehen konnten: Wie macht ein Showmän einen echten Shomenuchi und wie viel Show steckt in einem Ikkyo gegen Shomenuchi. Bestimmte Inhalte lassen sich leider fotografisch nicht festhalten.

"Was Michael macht ist Takemusu, das heißt soviel wie kreatives Aikido" ergänzte Gerhard Kurz beim Training. Die Vielfalt in den Aikidotechniken sah er als Bereicherung und zitierte dabei seinen Lehrer André Nocquet, dass trotz kleiner Unterschiede "doch alles gleich ist". Gleich sein oder nicht gleich sein, das ist im schwäbischen Murrhardt also nicht die Frage!

Bis spät abends saßen wir im Ranzenwirt beim Abendessen, diskutierend und schwätzend. Die Temperatur fiel rapide, fluchtartig verließen die Ersten die Runde. Doch Michael und Gerhard erhitzten sich von Minute zu Minute im Austausch von Anekdoten und alten Aikidogeschichten. Nicht mal nur kurz wollte Gerhard diese Intensität unterbrechen und schob der Traudl, seiner Frau, kompromisslos den Geldbeutel zu, als es ans Zahlen ging. "Zahl du mal – ich muss jetzt mit dem schwätze". Souverän und freundlich erledigte sie dies, so wie ich sie auch stets bei der Lehrgangsbetreuung und der kulinarischen Versorgung der Teilnehmer erlebte.

Sie selbst hatte sich einmal vor vielen, vielen Jahren bei Meister Nocquet auf der Matte mit Aikido glücklich infiziert. So schwärmt sie heute noch von diesem wunderbaren menschlichen Kontakt, den Meister Nocquet mit seinen Schülern in Frankreich pflegte. Ich schaute sie erstaunt an. Wie Bitte? Kontakt zu Schülern? Meister Nocquet hatten ich und Michael hier in Deutschland ganz anders erlebt! "Er durfte nicht wie er wollte" erklärte Gerhard. "Beim DAB war sein Kontakt zu den Schülern nicht erwünscht!"

Gefühlte 10 Grad minus bei sommerlicher Kleidung zwangen uns weitere Fragen auf das nächste Mal zu verschieben. Wir verabschiedeten uns wärmstens.

Janina Eisner - Aikido-Club Stuttgart e.V.

Dieser Artikel erschien im Aikidojournal .

 

Von: Janina Eisner   Erstellt am:2008-03-23    Letzte Änderung:2008-03-23

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