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Die Stimme Meister Nocquet´s

Interview mit Ivan Antonietti

Ivan Antonietti, vielen Dank für Deine Bereitschaft zu einem Interview! Du gehörst zu den ersten Aikidoka Deutschlands. Wie bist Du zum Aikido gekommen? Wer war Dein erster Lehrer?
Ivan Antonietti
Ivan Antonietti
Ivan Antonietti
Ivan Antonietti
Ivan Antonietti

Ich gehöre tatsächlich zu den ersten Aikidoka und bin einer der am längsten praktizierenden Aikidoka Deutschlands (ich bin 75 Jahre alt und habe beim DAB Aikido Landeslehrgang, am 13. und 14. Oktober 2001 in Mörfelden den Beweis davon gegeben). Bei diesem Lehrgang habe ich eine Kopie der Einladung von den Teilnehmern unterschreiben lassen um sie als Zeichen meines Respekts und Anerkennung an die Witwe meines verehrten Lehrers, Meister André Nocquet, zu schicken.

Weihnachten 1965 bin ich durch meine Frau zum Aikido gekommen, als sie mir das Aikido Buch von Kisshomaru Ueshiba als Weihnachtsgeschenk machte. Daraufhin habe ich intensiv nach einer Trainingsmöglichkeit in meiner Nähe, im Rhein-Main Gebiet, gesucht und habe im Judo Club Rüsselsheim und im Judo Club 1922, Wiesbaden, Anschluss gefunden und trainieren können. In diesen zwei Vereinen habe ich das Glück gehabt einen US-amerikanischen Unteroffizier, SSgt. George Naker, kennen zu lernen, der mir mit großer Begeisterung seine in Japan erworbenen Aikido-Kenntnisse zwei Jahre lang vermittelte. Zu dieser Zeit sah ich mich gezwungen in meinem eigenen Club, dem Postsportverein Mainz e.V. , als Schüler wie Lehrer, Aikido zu betreiben. Diese Zeit war vielleicht eine der wichtigsten Phasen meiner Aikidoausbildung. Ich bekam eine sehr große Selbstsicherheit und ein gutes Gefühl für Kontakt mit anderen Menschen, bzw. mit anderen Schülern.

Gerd Wischnewski war einige Jahre Bundestrainer des DAB. Nur wenige Aikidoka kennen ihn heute noch persönlich. Wir sind sehr interessiert mehr über ihn als Mensch und Aikidoka zu erfahren !

Ich habe Gerd Wischnewski zwar erlebt und sehr viele Bilder von ihm gemacht, aber wir waren nicht befreundet und ich habe keinen nahen Kontakt zu ihm gehabt. Meister Nocquet war einer der wenigen europäischen Uchi-Deshi von O Sensei Morihei Ueshiba, den man als Großmeister bezeichnen kann. Er war "ein Herr" mit Charisma.

Meister dieses Formats sind fast alle verstorben. Nachfolger müssen erst entstehen !

Du hast Andre Nocquet bei seinen Lehrgängen in Deutschland häufig übersetzt. Alfred Heymann sagte einmal über Dich: "Ivan übersetzt nicht nur was er sagt, sondern auch was er meint". Hattest Du zu Meister Nocquet eine besondere Beziehung?

Im Sommer 1969 traf ich zum ersten Mal Meister André Nocquet in Wiesbaden, als er vom Vorsitzenden vom Judo Club 1922, Werner Heim, ein hervorragender und vielseitiger Budomeister (Judo, Karate, Aikido, Jiu-Jitsu), zur Leitung eines ersten Aikidolehrganges privat nach Wiesbaden eingeladen wurde. Dieser erste Kontakt mit Meister Nocquet war für uns beide, unvergesslich und die gegenseitige Sympathie, die wir sofort für einander empfanden, dürfte den wesentlichsten Faktor meiner Aikidoentwicklung darstellen.
Von diesem ersten Treffen an wurde ich die Stimme des Meisters Nocquet in Deutschland und ich begleitete ihn bei allen offiziellen Anlässen und Lehrgängen in Europa und Deutschland. Ich habe Meister Nocquet so gut gekannt, dass ich ein intuitives Gefühl für das was er fühlte und sagte entwickelt habe. (Dies hat sicherlich Alfred Heymann zu seiner mir bezüglichen Bemerkung geführt.) Ich habe Meister Nocquets Aikido nicht nur kommentiert, sondern ganz nah erlebt. Viele Aikidoka, die uns beide kannten, und die mich jetzt bei meiner Arbeit sehen, vergleichen mein Stil und meine Art zu arbeiten mit Meister Nocquet. Vor Jahren schon, pflegte mein langjähriger guter Freund, der verstorbene Aikido Altmeister, Karl Ehret zu sagen: "Ivan , du bist ein zweiter Meister Nocquet, du siehst so aus und arbeitest genauso wie er"!

Welche Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede gibt es zwischen dem heutigen Aikido im DAB, dem Aikido von Gerd Wischnewski, Meister Nocquet und japanischer Meister ?

Aikido hat einen Ursprung: die Lehre des O-Sensei Morihei Ueshiba. Ob Gerd Wischnewski, Katsuaki Asai, Rolf Brand, oder André Nocquet, ob DAB, Aikikai, FFAB, usw., es war alles eine Sache der Erfahrung der Ausübenden, der Meister und Lehrer. Zu seiner Anfangszeit konnte ein Gerd Wischnewski mit seiner relativen kurzen Ausbildungszeit von anderthalb Jahren in Japan nicht so viel wissen und bieten, wie ein Meister Andre Nocquet, ein Rolf Brand, ein Katsuaki Asai in der Blüte ihrer Zeit. Sie haben alle die Aikidoprinzipien erfolgreich oder weniger erfolgreich ihren Schülern weitergegeben. Im großen und ganzen bieten alle Verbände gegenwärtig ein gutes Aikido.

In den letzten beiden Jahren wurde das Präsidium des Deutschen Aikido-Bundes fast vollständig neu besetzt. Wie beurteilst Du die neue Entwicklung des DAB und die Öffnung nach außen (z.B. wird Alfred Heymann gemeinsam mit Michel Hamon aus Frankreich den Sommerlehrgang auf dem Herzogenhorn 2002 leiten)?

Die Tatsache, dass das Präsidium des DAB fast vollständig neu besetzt wurde ist erfreulich und der Vorschlag einer Öffnung nach außen ist auch gut. Wir dürfen aber nicht Gefahr laufen eine alte verbrauchte Clique durch eine andere Clique, die auf langjähriger Kumpanei beruht, zu ersetzen, damit bestimmte Personen sich auf Kosten der Allgemeinheit die Rosinen aus dem Kuchen picken.

In Rheinlandpfalz und im Rhein/Main Gebiet sind ca. 300 Aikidoka die wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem früheren Präsidenten aus dem DAB ausgetreten sind und die jetzt miteinander trainieren. Sie treffen sich regelmäßig und arbeiten seit etwa drei Jahren mit französischen Aikidoka. Daraus ist eine gute Freundschaft und ein gutes Aikido entstanden. Diese französische Gruppe arbeitet unter dem letzten Mitarbeiter von Meister Nocquet von der GHAAN (Gruppe Andre Nocquet) Jo Cardot, 6. Dan Aikido, mit dem ich jetzt befreundet bin. Jo Cardot ist ein exzellenter Meister und ein begabter Stock- und Schwertspezialist. Ich kann mir vorstellen, dass eine zeitweilige Zusammenarbeit mit einem Mann dieses Niveaus für den DAB von großem Wert sein könnte. Der Einsatz dieses Meisters könnte gut in das Konzept einer Öffnung nach außen passen und könnte eine echte Alternative sein.

Lieber Ivan, Du bist nun seit mehr als 3 Jahrzehnten aktiver Aikidoka. Wie geht es Dir heute ?

Ich stehe seit über 35 Jahren auf der Matte und fühle mich dort wohl. Ich bin seit 1989 in Rente und trainiere einige Male die Woche in Mainzer Vereinen. Ich fühle mich auf der Matte mit meinen Freunden wohl. Vielleicht könntest Du uns mal besuchen, mit mir trainieren und mich auf der Matte erleben. Du wärst willkommen!

Vielen Dank für Deine Einladung, die ich gerne annehme !

Ivan Antonietti und Michael Zimnik im Februar 2002

 

Von: Micha Z.   Erstellt am:2007-01-23    Letzte Änderung:2007-03-07

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