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Janina Eisner - Interview (Teil 3)

Körper, Geist und ((???)) wie würdest Du das mit anderen Worten umschreiben, die Körperarbeit?

Echt sein, sich selbst sein, Wahr und Lebendig sein. Wir spüren doch sofort, wenn etwas nicht in Übereinstimmung ist, mit dem was wir sagen und tun. Glaubwürdig bin ich nur dann, wenn Körpersprache und Wortsprache übereinstimmt. Körpersprache kann Wortsprache entlarven. Ich wünsche mir authentisch zu sein, ich möchte Glaubwürdig sein.

Anerkennung

Ja, richtig.

Der Geist?

Der wird immer sichtbarer für mich.

Also mehr die Form des Geistes als des Geistigen?

Ja, auf jeden Fall. “Geistigen“ hat so den Religionstouch.

Hmm, das kann aber auch Philosophisch sein.

Ja, Philosophie ist ja auch Ersatz für Religion.

Und was will der Geist darstellen, schrecken?

Nein das wäre falsch, aber der Geist kann in Form von Gedanken auch blockierende, schreckende Wirkung haben. Gedanken wirken sich immer auch körperlich aus. Mit der geistigen Kraft der Gedanken kann ich mich und andere positiv beeinflussen. . Wenn ich z.B. mit Humor meine Kurse abhalte, dann können die Teilnehmer viel leichter lernen, also auch schwierige Inhalte leichter lernen. Oder sie können über sich selbst lachen, sich mal mit Abstand betrachten, sie lernen den Umgang mit Gedanken wie „das kann ich nicht“ z. B. einfach im Geiste auf eine Wolke stellen und wegziehen lassen.

Die Bewegung, hattest Du bereits im Theater, später im Aikido wieder.

Aber anders. Ich erinnere mich vor zwei Jahren, bei Deinem ersten Lerngang hier in Freudenstadt, hast Du das Wort "Präsentations-Momente" benützt.

Ich?oupps!

Ja. Das hat mich sehr stark an meine Theaterarbeit erinnert, denn da wird auch übertrieben dargestellt und präsentiert. Da bemerkte ich, dass das nicht das Aikido ist , das ich bisher gelernt habe Sondern da bewege ich mich natürlich. Dadurch wurde mir deutlich, dass ich solche Präsentations-Momente in meinen Techniken hatte, das sind Bewegungen die eigentlich wirkungslos sind aber gut aussehen.
So habe ich auch in der Theaterarbeit erlebt, dass ich mich an einem bestimmten Zeitpunkt von meinen bisherigen Lehrern entfernte und meinen persönlichen Bühnenstil entwickelte. In der Theaterkunst vielleicht nötig aber im Aikido darf ich so nicht vorgehen. Denn sonst mache ich nur die Techniken, die mir gefallen, gehe nur zu den Lehrern, die mir sympathisch sind. Gerade wie ich etwas festhalte, daraus erkenne wie ich loslassen kann. Also lerne ich das Loslassen. Zugegeben, manchmal komme ich schon ins Taumeln...

Was bringt Dir die "Aikidobewegung"?

Das ist wie eine Funke, was ich aufnehmen kann, was ich weitergeben kann. Aber klar ist, dass ich offen sein muss. Ich spüre, dass etwas von außen mich beeinflusst, das muss ich erkennen, die Zeit lasse ich mir.

Aber Du bewegst dich doch?

Aber ich bewege mich erst auf Grund eines Impulses, eines Angriffes, eines Augenaufschlag, einer Eingebung, eines Gedanken. Voraussetzung ist die Fähigkeit zum Erkennen..., ist es gute oder schlechte Energie.

Wie setzt Du das dann um?

Ich kann es nur spüren, in dem ich es aktiv mache. Das bedeutet nicht, dass es eine große Bewegung sein muss. Ich habe ja heute in deinem Unterricht sehr stark gespürt, dass gerade sehr kleine Bewegungen wirksam sein können. Möglicherweise haben meine Lehrer die Bewegungen größer gezeigt, damit wir überhaupt etwas verstehen, nur hat sich das ganze dann verselbständigt und hatte dann mir dem Ursprünglichen immer weniger zu tun. Solche Gedanken entstehen mir beim intensiven Training, wenn ich Sehen und Spüren zulasse....und nie fertig werde. (lacht)
Auch der Dämpfer ist wichtig, gerade wenn ich weiß, dass ich gut bin in meinem Beruf. Ja, ich lobe mich immer wieder mal, stelle in meinen Kursen leider oft fest, dass viele Kursteilnehmer auf die Aufforderung „lob dich doch mal“ Schwierigkeiten haben. So ist es gut , dass ich im Aikido eine kleinen Dämpfer erfahren kann.
Dazu fällt mir mein französischer Lieblingsphilosoph Montaigne aus dem 16. Jahrhundert ein. Ein Spruch von ihm passt auch heute in unser persönliches und politisches Weltbild: „Auf dem höchsten Thron der Welt sitzen wir dennoch mit dem Arsch.“
Das kann ich doch wunderbar von oben wie von unten betrachten. Wenn ich zu mir sage: „das kann ich super“, dann kann ich mich woanders auch kleiner wiederfinden.

Auf Grund Deiner Aikidoerfahrung bietest Du "Körpererfahrungs Kurse" an?

Meine Erfahrungen aus dem Aikido und meine ganze Persönlichkeit fließen da voll ein. Es gibt da viele schöne nonverbale Kommunikationsübungen, wo die Partner wechselseitig ihre Dialogfähigkeit überprüfen können. Im Aikido gibt es ebenfalls gute Körperübungen, in denen wir über das Zwischenmenschliche mehr erfahren können. So was nehme ich natürlich sehr gerne in meine Kurse auf.

Loßburg 2004
Die Effizienz des Aikidos wie siehst Du sie?

In einem Deiner letzten Interviews las ich eine Antwort von Anita Köhler auf eine ähnliche Frage „notfalls lächle ich dann auch einmal“. Das ist legitim, hat aber wenig mit Aikido zu tun, aber mit einen Lächeln kann ich vielleicht mehr erreichen als mit einer Technik. Aber das ist stark abhängig von der psychologischen Wertigkeit.
Die Effizienz fühle ich nicht unbedingt so stark. Für mich ist es kein Beweis für Effizienz, wenn der Partner auf dem Boden liegt. Ich darf mich da nicht zu sehr von der optischen Wirkung täuschen lassen. Die Effizienz einer Technik ist für mich nicht an der Fallhöhe oder enormen Körpereinsatz zu erkennen.

Hast Du in den beiden Formen, Nage–Uke schon einmal die Energie gespürt?

Als Uke natürlich, aber leider meistens nur über die Kraft. Manchmal spüre ich ganz wenig und muss trotzdem fallen, dann ist es ein anderes Gefühl, vielleicht das richtige .... dann denke ich, dass das etwas geheimnisvolles, wunderbares ist.

Warum wird soviel Kraft eingesetzt?

In unserer Kultur wir akzeptiert “stark" zu sein, schon von Kindesbeinen an lernen wir "Körper - Muskelkultur". Schon Kinder zeigen einem den Oberarm und sind Stolz "auf ihre Mukkis", das bleibt hängen, das prägt. Ich kann Dir nicht sagen warum es nicht gelingt das zurück zuhalten. Vielleicht haben kleinere “zartere" Menschen, die die nicht vorhandene Kraft gar nicht erst einsetzen können, einen leichteren Weg zum Aikidoverständnis.

Warum wird es akzeptiert, das Kraft eingesetzt wird?

Tja, dann müsste viel mehr unterbrochen werden, mit dem Verweis: „Bodybuilding ist drüben im anderen Saal"...
Die Kräfte sind da und ein Anfänger möchte ja auch durch das Aikido diese Kräfte erproben. Er müsste also immer wieder im Sinne des Aikido korrigiert werden. Aber auch fortgeschrittene Aikidoka, stellte ich persönlich fest, setzen Kraft zur Technik ein. Da fühle ich mich manchmal nur als Wurfobjekt, als Teil einer abgespulten Übung.

Was soll Deiner Theaterarbeit die Zukunft bringen?

Dass sie sich weiterentwickelt, dass ich lebendig bleiben kann und meinen individuellen Bühnenstil weiterentwickeln kann. Als Solistin habe ich es geschafft unabhängig zu arbeiten, im Aikido kann ich das nicht allein.

Zwiebel
Warum nicht?

Weil ich keine Ahnung habe, sehr kritisch gesprochen. Natürlich gebe ich schon ein paar Jahre Aikidotraining, aber für meine Aikido-Entwicklung brauche ich den Lehrer, ein Vorbild.
In meiner Bühnenarbeit ist es einfacher, das lasse ich etwas weg, wenn ich es nicht kann. Ich habe alle Freiheiten. Im Aikido kann ich das nicht, er stellt eine ganz andere Lernbreite dar.

Du meinst also "Aikidosolistin" ist noch nicht drin? Du könntest es aber als Uke probieren.

Das ist sehr schön. Gerade im Moment setze ich sehr viel Wert auf das Ukemi. Ich denke das Ukemi wird unterschätzt. Dieser Part ist in der Entwicklung sehr, sehr wichtig, ich bin froh das ich das erkannt habe.
Ich bin gerne Schülerin, ich bin auch gar nicht scharf auf meinen nächsten Dan. Eigentlich spürt das jeder für sich, nur Stolz und Machtwillen hindern uns daran.

Zwiebel ähh Janina ich danke Dir für das Gespräch.

Interview Janina Eisner von Horst Schwickerath - Erschienen im Aikidojournal 4/2003
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Von: Horst Schwickerath (Aikidojournal)   Erstellt am:2007-01-25    Letzte Änderung:2007-02-04

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