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Lehrgang der TG-Freudenstadt in Loßburg 2004

Im Zeichen der Schwertkunst...

...stand der Landeslehrgang am 3.und 4.April bei der TG Freudenstadt. Dazu als Lehrerin geladen war Anita Köhler,4.Dan Aikikai, aus Darmstadt. Als langjährige Schülerin des Franzosen Christian Tissier,7.Dan Aikikai, hatte sie die Gelegenheit auch traditionelles Kenjutsu zu erlernen. Kenjutsu - die (Kampf-)Kunst des Schwertes - war einst das wichtigste Waffenhandwerk, das ein Samurai beherrschen musste. Da ist es auch nicht verwunderlich, das die Grundprinzipien der Schwertkunst in fast allen Budodisziplinen fest verankert sind. So auch im Aikido.

Kashima (Donnergott) Shin (Geist) Ryu (Schule) ist eine der führenden Schwertschulen Japans. Bokuden Tsukahara (1490 - 1572), Sohn eines Shinto-Priesters aus dem Kashima-Schrein, begründete diesen Stil. Er lehrte, daß der Geist unstörbar im Kampf und frei von allem irdischen sein müsse, um einen Angriff auf Leben und Gesundheit erfolgreich abwehren zu können. Viele Ausweichbewegungen und das Prinzip des Vermeidens eines Kampfes sind die Grundkonzepte dieses Stils.

"Weiche aus durch den Geist und vermeide jede Kampfform so, daß ein Gegner nicht angreifen kann !"

In Anitas Verein wird regelmäßig Kenjutsu geübt. Zum einen, weil die Schwertschule extrem die Haltung sowie Atmung und Ki trainiert, zum anderen ist es wichtig neben Timing und Distanz auch das entschlossene Angreifen zu erlernen.

So stand uns also ein heißes Wochenende bevor. Wir wollten die Chance nutzen und so war die erste Einheit bereits um 10:00 Uhr angesetzt.

Onegaishimasu - lasst uns bitte beginnen !

Zuerst natürlich Grifftechnik und Körperhaltung. Dann Schlagübungen, ichi, ni, san... Positionswechsel, ichi, ni, san... Jeder Schlag mit Kiai. Den höre ich aber nur von Anitas Schülern. Der Rest übt stumm, sucht nach dem Atemrhythmus und bemüht sich, so etwas wie Harmonie in die Bewegung zu bekommen. Anita geht durch und korrigiert jeden persönlich. Bei ca. 60 Teilnehmern dauert das natürlich, was einem wiederum viel Zeit verschafft, das Gehörte zu verarbeiten und zu begreifen, die Technik so immer besser zu fühlen. Je schwerer die Arme werden umso entspannter ist die Körperhaltung. Kämpfer und Schwert passen sich einander an.

Dann üben wir gehen - gehen wie ein Samurai!
In Linie über die gesamte Mattenlänge. Dabei kann man tolle Gangarten beobachten, die aber weit von der gezeigten abweichen. Eigentlich müsste man darüber lachen, doch in anbetracht der Tatsache, daß man sich gleich selbst zum Löffel machen wird, verkneifen es sich die meisten.
Partnerübungen - das macht richtig Spaß ! Schrittfolge, Abwehr, Kontrolle, Schlag. Die Bokken krachen aufeinander. Dann Kiai-Training. Das wichtigste ist Selbstbeherrschung und Konzentration. Und gegenseitiges Vertrauen, denn wenn das Holzschwert unter lautem Gebrüll 5 cm über dem Scheitel gestoppt wird, ist man froh darüber, den Partner beim "gehen üben" nicht veärgert zu haben.

Nach dem Mittagsbuffet und einem sonnigen Waldspaziergang geht's weiter.

Schlagübungen, ichi, ni, san... Es klappt schon besser als am Morgen. Dafür werden die Partnerübungen jetzt immer komplizierter. Ungewohnte Haltungen und Bewegungen, dazu das überfüllte Gehirn. Wir geben alles, üben aus Platzgründen sogar außerhalb der Matte. Zum Schluß zeigen uns Anita und Camilla, wie es bei fleißigem Üben mal aussehen kann. Während der Großteil zum Duschen und dann Richtung "Hirsch" zum Abendessen abwandert, sind einige gar nicht zum Aufhören zu bewegen.

Sonntagmorgen 9:30 Uhr auf der Tatami: "Wer hat Muskelkater ?" Keiner meldet sich. Aha ! Dabei war mir doch beim Essen aufgefallen, das so mancher sein Besteck nicht mehr halten konnte. Naja - der Stolz.

Zum Aufwärmen wieder Schlagübungen, ichi, ni, san...

Dann das Gelernte vom Vortag wiederholen. Bei Kata 2 der Serie eins stagniert es. Anita reagiert. Sie holt ihre Meisterschüler nach vorn. "Wir sind jetzt die "sieben Samurai" und ihr übt mit einem von uns." Prima ! Endlich Platz und ein guter Kämpfer als Partner. Ich gehe zu Camilla. Aber wie sie so dasteht, Ruhe und Überlegenheit ausstrahlend, würde es mir im Traum nicht einfallen, sie anzugreifen. Ich tu es trotzdem, deshalb bin ich schließlich hier. Ich beobachte jede ihrer Bewegungen und plötzlich macht es Klick! Nach ein paar Versuchen bin ich als geheilt entlassen. Das ist mir aber zu wenig. Am Ende der Matte ist ein "Samurai" gerade arbeitslos. Tapfer gehe ich hinüber und greife ihn an. Die letzten 20 Minuten üben wir Würfe gegen Schwertangriff. Dann ist Schluß und die Bokken oder was davon übrig ist können aufatmen.

Alles in allem ein sehr lehrreiches Wochenende, das uns tiefe Einblicke in die Schwertkunst und die eigene Unzulänglichkeit gegeben hat.

Domo arrigato gozaimashita - Vielen Dank dafür !

Marko Unnasch Aikido-TG-Freudenstadt

 

Von: Marko Unnasch   Erstellt am:2007-03-01    Letzte Änderung:2007-03-01

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